Fahrradindustrie dringt auf Schutz vor Wettbewerbsverzerrung durch China

Foto: Dirk Michael Deckbar
Der ZIV hat ein Positionspapier zu China als systemischem Wettbewerber veröffentlicht. Der Verband bekennt sich zu offenem Handel, verlangt aber die konsequente Durchsetzung der Handelsregeln und eine Prüfung von Antidumping-Maßnahmen auch für Komponenten.
Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat das Positionspapier „China als systemischer Wettbewerber der Fahrradindustrie“ veröffentlicht. Es erscheint vor einem Gespräch von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič in Peking und einem EU-Gipfel in der kommenden Woche. Der Verband bekennt sich zu offenem Handel, fordert aber, dass die Regeln konsequent durchgesetzt werden.
Starke Abhängigkeit bei Rahmen und Komponenten
Nach den Marktdaten des ZIV produziert China jährlich 70 bis 80 Millionen Fahrräder, Deutschland rund zwei Millionen. Europäische Hersteller sind zugleich insbesondere bei Rahmen und Komponenten stark auf chinesische Zulieferungen angewiesen. Der Warendruck steigt, zunächst bei Komponenten, zunehmend auch bei kompletten Fahrzeugen.
Der Verband führt dies auf eine langfristig angelegte Industriepolitik zurück. Chinesische Unternehmen profitierten von günstigen Finanzierungen, steuerlichen Vorteilen und Subventionen. Motoren und Batterien würden laut EU-Kommission teilweise zu nicht marktkonformen Preisen bereitgestellt. Der 14. Fünfjahresplan der staatsnahen China Bicycle Association nenne als Ziel, dass die chinesische Industrie bis 2035 „zur vorherrschenden Macht auf dem internationalen Markt“ werde.
Hinzu komme eine ökologische Dimension: Die Produktion von Fahrrädern und E-Bikes in China weise einen um 52 bis 66 Prozent höheren CO₂-Fußabdruck auf als die europäische. Einen wirtschaftlichen Vorteil habe die europäische Industrie davon bislang nicht.
„Es ist Zeit, Naivität abzulegen“, sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV. Fairer Wettbewerb sei keine Selbstverständlichkeit. Dazu zählt Stork einen klaren europäischen Fußabdruck in der Wertschöpfungskette sowie die Einhaltung der Regeln, die EU und Bundesregierung gewährleisten müssten.
Forderungen: Antidumping auch bei Komponenten
Die bestehenden Antidumping- und Ausgleichszölle der EU leisteten einen wichtigen Beitrag, stießen wegen komplexer Lieferketten aber an Grenzen und würden teilweise umgangen.
Der ZIV fordert deshalb, eine Ausweitung der Antidumping-Maßnahmen auf die Komponentenebene zu prüfen, technische Regulierungen weiterzuentwickeln und Koalitionen auf europäischer Ebene zu bilden. Eine Herkunftskennzeichnung oder ein „Made in Europe“-Ansatz könne Qualität und Klimavorteile europäischer Produktion sichtbar machen.
„Es geht darum, gleiche Bedingungen zu schaffen, damit Qualität und Verantwortung über den Markterfolg entscheiden statt einseitiger Subventionen“, so Stork.