Fachkräftemangel in der Werkstatt: Europas Fahrradbranche braucht bis 2032 rund 105.000 zusätzliche Mechaniker

Eine Analyse von Nextgen Mechanics und European Cycling Industries beziffert den Bedarf: Schon heute fehlen demnach 45.000 Fachkräfte. Auch hierzulande ist die Lage angespannt: Knapp 88 Prozent der Befragten einer SAZbike-Umfrage finden nur schwer Mechatroniker.
Die europäische Fahrradbranche braucht bis 2032 rund 105.000 zusätzliche Mechanikerinnen und Mechaniker, das entspricht 60 Prozent der heutigen Belegschaft in diesem Bereich. Das geht aus einer Analyse der Initiative Nextgen Mechanics und des Verbands European Cycling Industries (ECI) hervor. Sie wurde beim ECI-Summit in Brüssel vorgestellt, unter anderem im Beisein von EU-Kommissar Wopke Hoekstra.
Laut den Autoren ist es die erste Schätzung auf Basis von Beschäftigungsdaten der Fahrradhändler selbst. Demnach arbeiten in Europa derzeit rund 175.000 Mechaniker, weitere 45.000 bräuchten die Betriebe bereits heute. Um den Bedarf bis 2032 zu decken und Abgänge zu ersetzen, müsste die Zahl auf knapp 250.000 wachsen, ein Plus von etwa 40 Prozent.

Weniger Radfahren wegen fehlender Werkstätten
Auch hierzulande ist die Lage angespannt: In einer aktuellen SAZbike-Umfrage unter 122 Befragten bezeichnen 47,5 Prozent die Suche nach qualifizierten Zweiradmechatronikerinnen und -mechatronikern als sehr schwierig, weitere 40,2 Prozent als schwierig.
Der Mangel wirkt sich bereits auf das Fahrverhalten aus. Laut der repräsentativen Shimano-Umfrage „State of the Nation 2026“ unter 25.000 Befragten erleben 212 Millionen Europäer Hürden bei der Wartung ihres Fahrrads. 121 Millionen von ihnen fahren deshalb weniger, 7,6 Millionen haben das Radfahren aufgegeben.
Berufsbild im Wandel
Die Autoren sehen das Berufsbild schneller im Wandel als Status und Bezahlung. Mechaniker arbeiteten heute mit Firmware, Batteriesystemen und digitalen Antrieben, verdienten aber selbst in den stärksten Märkten weniger als den nationalen Median für Vollzeitbeschäftigte.
In den Niederlanden verließen 2024 laut dem Aus- und Weiterbildungsfonds OOMT 24 Prozent der Mechaniker die Branche. Würde diese Quote europaweit gelten, stiege der Mangel um weitere 15.000.
„Ein Fahrrad, das nicht repariert werden kann, wird nicht mehr gefahren“, sagt Paul Walsh, CEO von ECI.
Expertengruppe soll Empfehlungen umsetzen
Der Bericht enthält 27 Empfehlungen. Um sie voranzubringen, richtet ECI eine Education and Skills Expert Group ein. Sie soll den Qualifizierungsbedarf europaweit erheben, mit Bildungsanbietern ein einheitliches Ausbildungskonzept entwickeln und dieses mit Städten erproben.