Nach ECI-Vorstoß: ZIV und Zukunft Fahrrad planen deutsche Selbstverpflichtung gegen E-Bike-Tuning

Foto: Zukunft Fahrrad
Die deutschen Branchenverbände ZIV und Zukunft Fahrrad haben in Brüssel die Selbstverpflichtung des europäischen Dachverbands ECI gegen E-Bike-Tuning unterzeichnet. Auf dieser Grundlage wollen sie eine deutsche Variante und ein gemeinsames Maßnahmenbündel gegen illegale E-Bikes erarbeiten.
Nach dem europäischen Dachverband European Cycling Industries (ECI) haben sich nun auch die beiden deutschen Wirtschaftsverbände der Fahrradbranche gegen E-Bike-Tuning positioniert. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV - Die Fahrradindustrie) und Zukunft Fahrrad unterzeichneten bei einem Branchentreffen in Brüssel die erneuerte Selbstverpflichtung der europäischen Fahrradindustrie, die erstmals 2021 verabschiedet worden war.
Wie berichtet, fordert die ECI unter anderem ein EU-weites Verkaufsverbot für Tuning-Kits und eine konsequentere Marktüberwachung, auch im Online-Handel.
Deutsche Variante geplant
Auf Basis des europäischen Papiers wollen ZIV und Zukunft Fahrrad eine eigene deutsche Selbstverpflichtung ausarbeiten, ergänzt um ein gemeinsames Maßnahmenbündel gegen illegale E-Bikes. Ganz oben auf ihrer politischen Agenda stehen zwei Forderungen: Der unkontrollierte Handel mit Tuning-Kits soll nach französischem Vorbild unterbunden werden. Zudem sollen Polizei, Zoll und Marktaufsicht gezielt gegen illegale E-Bikes vorgehen, die nach Angaben der Verbände meist importiert werden.
Orientierung für die Marktaufsicht
Als zentralen Baustein sehen die Verbände das ECI-Positionspapier, das erstmals detailliert beschreibt, was ein dem Stand der Technik entsprechender Manipulationsschutz leisten muss. „Hier wird eine wichtige Lücke geschlossen, die nicht nur für die Fahrradwirtschaft, sondern auch für die Marktaufsicht eine genauere Orientierung gibt“, sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV. So lasse sich ein legales EPAC von einem getunten oder tunebaren Fahrzeug unterscheiden, das dadurch seinen EPAC-Status verliere.
Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad, betont den Signalcharakter: „Es geht heute um eine klare Botschaft: Die Branche übernimmt Verantwortung.“
Kostennachteil für regelkonforme Anbieter
Ihr Engagement begründen die Verbände mit der Bedeutung des Segments: 2025 war in Deutschland mehr als die Hälfte aller verkauften Fahrräder ein E-Bike, der Bestand liegt inzwischen bei über 17 Millionen. Nicht konforme Produkte gefährdeten vor allem europäische KMU, die die Kosten für Prüfung, Zertifizierung und Dokumentation tragen und mit Anbietern konkurrieren, bei denen diese Kosten nicht anfallen.
Der gemeinsame Auftritt fällt in die Vorbereitung der geplanten Fusion: Beide Verbände wollen sich im kommenden Jahr zu einem gemeinsamen Wirtschaftsverband zusammenschließen.