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WFSGI-Report: Sportartikelbranche trägt über 500 Milliarden Euro zur Weltwirtschaft bei

Foto: KI-generiert mit ChatGPT

Die weltweite Sportartikelindustrie erwirtschaftet laut einer neuen Studie jährlich 614 Milliarden US-Dollar (ca. 535 Mrd. Euro) und trägt effektiv zum globalen BIP bei. Im Fahrradbereich zeigt der Report insbesondere die Bedeutung spezialisierter Lieferketten, Materialien und Produktionsstandorte.

Die globale Sportartikelindustrie ist ein Wirtschaftsfaktor mit erheblichen Effekten auf Beschäftigung, Handel und Innovation. Zu diesem Ergebnis kommt der erstmals veröffentlichte "Sporting Goods Industry Economic Impact Report" der World Federation of the Sporting Goods Industry (WFSGI), der gemeinsam mit der Unternehmensberatung Oliver Wyman erarbeitet wurde. Die Autoren beziffern den weltweiten Branchenumsatz auf rund 614 Milliarden US-Dollar (ca. 535 Mrd. Euro) pro Jahr. Die direkte Wertschöpfung wird auf 250 bis 290 Milliarden Dollar (ca. 218 Mrd. – 253 Mrd. Euro) geschätzt.

Werden zusätzlich die Effekte entlang der Lieferketten sowie die Konsumausgaben der Beschäftigten berücksichtigt, kommt die Untersuchung auf einen jährlichen Beitrag von rund 675 Milliarden US-Dollar (588 Mrd. Euro) zum globalen Bruttoinlandsprodukt. Das entspricht etwa 0,6 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Rund 28 Millionen Arbeitsplätze hängen nach Berechnungen der Autoren direkt oder indirekt von der Branche ab. Das ist rechnerisch etwa jeder 125. Arbeitsplatz weltweit.

Von diesen Stellen entfallen rund 10,5 Millionen auf direkte Beschäftigung. Etwa sieben Millionen Menschen arbeiten demnach in der Produktion, weitere 2,6 Millionen im Handel. Hinzu kommen Beschäftigte in Distribution, Forschung und Entwicklung, Produktdesign, Marketing und Unternehmensführung. Die Steuerleistung beziffert der Report auf rund 120 Milliarden Dollar (ca. 105 Mrd. Euro) über direkte Kanäle und auf etwa 230 Milliarden Dollar (ca. 200 Mrd. Euro) unter Einbeziehung von Lieferketten- und Einkommenseffekten.

Foto: World Intellectual Property Organization, WITS, UN Comtrade, Euromonitor, Statista, Oliver Wyman analysis

Sportartikel als Teil eines 2,3-Billionen-Dollar-Marktes

Die Untersuchung betrachtet die Sportartikelindustrie als einen wesentlichen Bestandteil einer deutlich größeren Sportökonomie. Diese kommt laut Report derzeit auf einen Jahresumsatz von rund 2,3 Billionen US-Dollar (ca. 2 Bio. Euro) und könnte bis 2030 auf 3,7 Billionen Dollar (ca. 3,2 Bio. Euro) wachsen. Neben Sportartikeln gehören dazu unter anderem organisierter und professioneller Sport, körperliche Aktivität sowie Sporttourismus.

Für die Hersteller ist dabei nicht nur der Leistungssport relevant. Die WFSGI fasst körperliche Aktivität bewusst weiter und zählt beispielsweise Gehen und Radfahren ebenso dazu wie klassische Sportarten oder aktive Freizeitgestaltung. Auch beim Sporttourismus wird das Radfahren neben Aktivitäten wie Wandern, Skifahren und Surfen ausdrücklich genannt.

Fahrradproduktion zeigt die internationale Arbeitsteilung

Gerade für die Fahrradindustrie sind die Ausführungen zu den weltweiten Lieferketten relevant. Insgesamt erstreckt sich die im Report untersuchte Fertigung der Sportartikelbranche über 62 Länder. Knapp 70 Prozent der offengelegten Produktionsstätten befinden sich jedoch in sechs Produktionszentren: Kambodscha, China, Indien, Indonesien, Taiwan und Vietnam. China und Vietnam allein kommen auf mehr als die Hälfte der erfassten Standorte.

Nach Einschätzung der Autoren sind diese Regionen längst nicht mehr ausschließlich verlängerte Werkbänke internationaler Marken. Dort hätten sich spezialisierte industrielle Ökosysteme aus Zulieferern, Fachkräften, technischer Kompetenz und Logistikinfrastruktur entwickelt. Entsprechend finde ein Teil der Prozess- und Materialinnovation direkt auf Produktionsseite statt. Im Fokus stehen dabei vor allem spezialisierte Hersteller aus dem Fahrrad- und Equipmentbereich.

Besonders hervorgehoben wird Taiwan. Dessen Rolle innerhalb der sechs großen Fertigungscluster erklärt der Report zu einem wesentlichen Teil mit seiner Stellung als Zentrum der weltweiten Produktion hochwertiger Fahrräder und Komponenten.

Für die gesamte Sportartikelwirtschaft beziffern die Autoren die jährlichen Exporte auf rund 188 Milliarden US-Dollar (ca. 164 Mrd. Euro). Aus Sicht der Ergebnisse entsteht Wertschöpfung deshalb nicht an einem einzelnen Produktionsort, sondern verteilt sich über Forschung und Entwicklung, Material- und Komponentenbeschaffung, Fertigung, Logistik, Markenführung und Handel.

Foto: Endura

Fahrradindustrie als Werkstoff- und Technologiesegment

Eine weitere Parallele zieht die Untersuchung zwischen Fahrrad- und Laufsport. In beiden Bereichen haben neue Materialien und Fertigungsverfahren in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Während moderne Laufschuhe unter anderem hochentwickelte Schäume, Carbonplatten und spezielle Geometrien verwenden, benennen die Ergebnisse der WFSGI für die Fahrradindustrie Carbonfaser-Verbundwerkstoffe, spezielle Gummimischungen, moderne Polymere und technische Textilien.

Diese Materialien würden häufig in unterschiedlichen Ländern entwickelt, beschafft und verarbeitet, bevor das fertige Produkt den Verbraucher erreicht. Innovation in der Sportartikelbranche ziele dabei nicht ausschließlich auf Leistungssteigerung. Die Autoren nennen auch Komfort, Verletzungsprävention, adaptive Produkte sowie nachhaltigere Materialien und Fertigungsverfahren als Entwicklungsfelder.

Insgesamt verzeichnet die Studie zwischen 2016 und 2025 mehr als 65.700 sportbezogene Erfindungen. Die Zahl entsprechender Patentanmeldungen wuchs demnach im Durchschnitt um 7,6 Prozent pro Jahr. Über alle Patentbereiche hinweg lag die Wachstumsrate im selben Zeitraum bei 4,4 Prozent.

Foto: Company disclosures, Oliver Wyman analysis

Zölle werden zum Kostenfaktor

Aus den international verzahnten Lieferketten werden zugleich wirtschaftspolitische Risiken abgeleitet. Sportartikel unterliegen nach den Berechnungen der Autoren im Durchschnitt einem angewandten Zollsatz von 14,1 Prozent. Über alle gehandelten Waren hinweg liege der entsprechende Wert bei 5,2 Prozent.

Gerade Produkte mit komplexen, länderübergreifenden Lieferketten können von Handelsbarrieren mehrfach betroffen sein, wenn Rohstoffe, Komponenten und fertige Erzeugnisse Grenzen überschreiten. Für technisch anspruchsvolle Sportartikel ist dieser Aspekt besonders relevant. Hinzu kommen unterschiedliche Produktstandards, Zertifizierungen und Konformitätsanforderungen. Der Report verweist darauf, dass solche Vorgaben bei voneinander abweichenden nationalen Regelungen zusätzliche Prüfungen und Kosten verursachen können.

Die WFSGI verbindet die Untersuchung deshalb mit der Forderung nach stabileren Handelsbedingungen, einer stärkeren internationalen Abstimmung regulatorischer Anforderungen und einer Fiskalpolitik, die den Zugang zu Sport und Bewegung berücksichtigt. Zudem argumentiert die WFSGI, dass höhere Produktkosten letztlich auch die Teilnahme an Sport und körperlicher Aktivität erschweren könnten.

Bewegungsmangel wird auch zum wirtschaftlichen Thema

Diesen Zusammenhang stellt der Report in einen größeren gesellschaftlichen Kontext. Nach den darin zitierten Gesundheitsdaten erfüllen weltweit rund 31 Prozent der Erwachsenen – etwa 1,8 Milliarden Menschen – die empfohlenen Mindestwerte für körperliche Aktivität nicht. Bei Jugendlichen liege der Anteil bei mehr als 80 Prozent. Bis 2030 könnte die Quote unzureichend aktiver Erwachsener auf 35 Prozent steigen.

Für die Sportartikelindustrie hat diese Entwicklung nach Darstellung der Autoren auch eine geschäftliche Dimension. Rund 133 Milliarden US-Dollar (ca. 116 Mrd. Euro) an für 2030 prognostizierten Sportartikelumsätzen könnten demnach bei anhaltendem Rückgang der körperlichen Aktivität gefährdet sein.

Methodik

Bei der Einordnung der Zahlen ist die Methodik der Untersuchung relevant. Da es nach Angaben der Autoren keine einheitliche globale Statistik für die Sportartikelindustrie gibt, kombiniert Oliver Wyman Unternehmensangaben und Daten von WFSGI-Mitgliedern mit amtlichen Statistiken, internationalen Handelsdaten und kommerziellen Marktdaten. Wo keine direkt vergleichbaren Angaben verfügbar waren, wurden Schätzungen vorgenommen. Dementsprechend sind mehrere zentrale Ergebnisse insbesondere als Modellrechnungen zu verstehen.

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