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Bespoked in Dresden: Vierte Ausgabe der Handmade-Messe

Foto: Alexej Fedorov

Zum vierten Mal in Folge hat die Manufaktur-Rad-Messe Bespoked die internationale Manufaktur-Szene am Flughafen Dresden versammelt. 110 Aussteller zeigten Rahmen und Bauteile in Kleinserie.

Wer am zweiten Septemberwochenende zum Flughafen Dresden kam, traf dort mehr Rahmenbauer als Fluggäste. Vom 11. bis 13. September richtete die Bespoked zum vierten Mal in Folge ihre Handmade Bicycle Show in der Abflughalle aus, eine Messe für Räder aus Manufakturen und Kleinserien, oft als Einzelstück und nach Maß gefertigt.

Zwischen Titan, Stahl und Bauteilen aus dem 3D-Drucker bewegt sich eine Szene, die sich bewusst von der Großserie absetzt: kleine Werkstätten, viel Detailwissen und ein Publikum, das sein eigenes Rad gern mit in die Halle nimmt.

Drei Shows, drei Handmade-Kulturen

Dresden ist längst kein Experiment mehr. Was als kontinental-europäischer Ableger begann, gehört heute zum festen Kalender der globalen Handmade-Szene. 110 Aussteller waren in diesem Jahr vertreten, etwas mehr als in den Vorjahren, als es rund 103 waren. „Die Popularität nimmt zu. Ich kann mir nur vorstellen, dass dieses Jahr noch erfolgreicher wird“, sagt Jon Woodroof, Messe-Sprecher von der begleitenden Kommunikationsagentur Two Tone.

Die genauen Besucherzahlen für 2026 liegen noch nicht vor. Zum Vergleich: Die dritte Auflage 2025 hatte mehr als 9.000 Gäste, 150 Räder und Aussteller aus 23 Ländern gezählt.

Dresden ist für Bespoked nur eine Station. Im Januar lief die Bespoked London, im Oktober folgt die erste Ausgabe in Osaka in Japan. Jede Show bediene ihre Region, erklärt Woodroof: London ziehe stärker britische Rahmenbauer an, Dresden sei europäisch und zentral ausgerichtet, also die Messe für Kontinentaleuropa.

Foto: Alexej Fedorov

Zwischen Krise und Renaissance

Während die Fahrradbranche insgesamt noch immer mit Absatzflaute kämpft, zeichnet Woodroof für die Manufaktur-Szene ein anderes, aber kein durchweg rosiges Bild. „Es gibt viele hungernde Künstler da draußen“, räumt er ein. Gleichzeitig beobachtet er eine Art Renaissance: Komponentenmarken wie der Laufradhersteller Hunt und größere Namen, die sonst mit Canyon oder Specialized arbeiten, suchen die Nähe zu den kleinen Konstrukteuren und stellen sie ins Schaufenster. Als Beispiel für frisches Kapital nennt er Quirk Cycles, das eine Beteiligung des Rapha-Gründers erhalten habe. Das Interesse an Stahl- und Titanrädern sei spürbar gewachsen.

Bei den Trends trennt Woodroof das echte Nischenthema vom Industriehype. Kleine Cargobikes mit 20-Zoll-Laufrädern, halb Mini-Velo, halb Lastenrad, hätten deutlich zugelegt. Beim Material sieht er einen klaren Zug zu Titan, das früher als teures Spätkauf-Segment galt und heute breiter nachgefragt wird.

Drust Cycles aus Berlin holt den Bespoked-Award für das beste Lastenrad.
Foto: Adam Gasson, Bespoked

Warum Händlernetze wieder zählen

Für die deutsche Händlerschaft dürfte eine Beobachtung besonders relevant sein. Nach dem Boom und dem folgenden Einbruch der Corona-Jahre hätten viele Marken erkannt, dass sie ohne ein starkes Händlernetz nicht auskommen, berichtet Woodroof. Wo Kunden früher nach Reichweite bei Magazinen, Influencern oder Youtubern gefragt hätten, gehe es heute wieder um den Zugang zu Fachhandel und Distributoren.

Viele Direktvertriebsmarken hätten am Ende doch eigene Läden eröffnet. Sein Fazit fällt entsprechend knapp aus: „Support your local bike shop! Das ist mein Schlusswort.“

Der Award für den "Best New Builder" geht an Kata Rasch aus Berlin.
Foto: Adam Gasson, Bespoked

Preise und Nachwuchs

Den wettbewerblichen Teil des Wochenendes bestreitet traditionell die Award-Verleihung, bei der eine Jury aus Fachmedien und Industrie in mehreren Kategorien auszeichnet.

Den wettbewerblichen Teil des Wochenendes bestreitet traditionell die Award-Verleihung, bei der eine Jury aus Fachmedien und Industrie in mehreren Kategorien auszeichnet. Auffällig war dabei die Präsenz des deutschsprachigen Raums.

Den Titel „Best Cargo" holte Konstantin Drust von Drust Cycles aus Berlin, bekannt für kompakte Lastenräder mit kleinen Laufrädern, also genau jenes Nischenthema, das auch Woodroof als einen der stärkeren Trends benennt. Aus derselben Berliner Werkstatt stammt Kata Rasch, die als „Best New Builder" ausgezeichnet wurde. Sie richtet sich gezielt an Frauen, die ihren ersten eigenen Rahmen bauen wollen.

Der Preis für das beste Kleinteil ging an den jungen Rahmenbauer Jonas Hüttel von Hüttel Cycles, der neben rohen Downhill-Konstruktionen auch einen Halter für Lippenpflege namens „Bella Cage" zeigte. Die erstmals vergebene Auszeichnung für das beste Steuerkopf-Emblem sicherte sich Ballern Cycles mit einem Head Badge aus der Hand eines Tätowierers.


"Best Headbadge" gewinnt Ballern Cycles aus Berlin. Das Logo am Steuerrohr stammt aus der Hand eines Tätowierers.
Foto: Adam Gasson,Bespoked

Bespoked Osaka 2026 & Bespoked Deutschland 2027

Der Standort passt zu diesem Selbstverständnis. Rund um Dresden hat sich ein kleiner Fertigungscluster gebildet, zu dem Marken wie Sour und Beast Components gehören und den das Land Sachsen mit Werksführungen und Förderung begleitet. Handwerk, Design und Ingenieurwesen liegen hier dicht beieinander.

Nun zieht die Bespoked aber weiter: Vom 23. bis 25. Oktober gastiert sie erstmals in Japan, im Glion-Museum in Osaka. Die kontinentaleuropäische Ausgabe kehrt 2027 nach Deutschland zurück. Ein genaues Datum oder konkreter Ort steht noch nicht fest, es dürfte allerdings wieder Frühherbst werden, so Woodroof.

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