Accell Group wird international zum Verkauf gestellt

Die Insolvenzverwalter der Accell Group haben einen internationalen Verkaufsprozess gestartet. Gesucht werden Käufer für den Konzern als Ganzes, einzelne Geschäftsbereiche oder Länderaktivitäten. Auch einzelne Marken könnten später separat veräußert werden.
Die niederländischen Insolvenzverwalter der Accell Group haben einen internationalen Verkaufsprozess für die Geschäftsaktivitäten und Vermögenswerte des Fahrradkonzerns eingeleitet. Thijs Hekman von der Kanzlei AKD und Erik Schuurs von Jones Day streben dabei zunächst Lösungen an, bei denen Accell als Ganzes oder größere Teile des Unternehmens übernommen werden.
Ziel sei es, möglichst viel wirtschaftlichen Wert und Arbeitsplätze zu erhalten. Parallel versuchen die Insolvenzverwalter mit Unterstützung der besicherten Finanzierer, den laufenden Geschäftsbetrieb soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Händler sollen wieder Bestellungen platzieren können, zudem sollen Auslieferungen wieder aufgenommen werden. Aus diesem laufenden Betrieb heraus soll der Verkaufsprozess organisiert werden.
Die sechs niederländischen Accell-Gesellschaften Accell Group B.V., Accell Group Europe B.V., Accell Group Holding B.V., Accell Nederland B.V., Accell Global B.V. und Accell Duitsland B.V. waren am 11. August 2026 vom zuständigen Gericht in Amsterdam für insolvent erklärt worden. Wenige Tage zuvor hatte das Gericht den Unternehmen noch einen vorläufigen Zahlungsaufschub gewährt.

Verkauf auch nach Ländern oder Geschäftsbereichen möglich
Der Verkaufsprozess beschränkt sich nicht auf die niederländischen Gesellschaften. Die Insolvenzverwalter wollen Aktivitäten und Vermögenswerte in sämtlichen Ländern koordinieren, in denen Accell vertreten ist. Dabei sollen je nach rechtlicher Situation das lokale Management oder örtliche Insolvenzverwalter eingebunden werden. Mit der Begleitung des Verkaufs wurde FTI Consulting Nederland als M&A-Berater beauftragt.
Priorität haben zunächst Lösungen für größere operative Einheiten. Denkbar sind neben einem Verkauf des gesamten Konzerns auch Transaktionen für einzelne Unternehmensbereiche oder Länderorganisationen. Erst in einem weiteren Schritt könnten einzelne Vermögenswerte wie Markenrechte oder bestimmte Warenbestände separat angeboten werden.
Damit bleibt auch offen, ob das heutige Accell-Portfolio nach Abschluss des Verfahrens unter einem gemeinsamen Eigentümer fortgeführt wird oder künftig auf mehrere Investoren verteilt sein könnte.
Finanzierer sichern Mindestlösung ab
Eine wichtige Rolle im Verkaufsprozess spielen die besicherten Finanzierer. Eine Mehrheit innerhalb einer der beteiligten Finanzierergruppen hat nach Angaben der Insolvenzverwalter bereits eine sogenannte Backstop-Vereinbarung mit einem Interessenten für sämtliche Fahrradmarken geschlossen. Sie soll eine mögliche Fortführung der Accell-Aktivitäten absichern, falls im Verkaufsprozess keine bessere Alternative zustande kommt.
Daneben können die Finanzierer von einem sogenannten Credit Bid Gebrauch machen. Dabei werden bestehende Kreditforderungen ganz oder teilweise mit dem Kaufpreis für Vermögenswerte verrechnet. Auf diese Weise soll ein Mindesterlös für die Fahrradmarken abgesichert werden. Gleichzeitig sind nach Angaben der Insolvenzverwalter auch Barangebote für einzelne Marken möglich.
Bereits bekannte Interessenten sollen kurzfristig in das Verfahren einbezogen werden. Weitere potenzielle Käufer sind aufgerufen, sich bei den Insolvenzverwaltern zu melden.

Dutech weiter als möglicher Interessent im Blick
Zu den Unternehmen, die bereits vor der Insolvenz Interesse an Accell gezeigt hatten, gehört die Dutech-Gruppe. Die geplante Übernahme durch die Dutech-Tochter Tri Star hatte im Juli bereits die Freigabe des Bundeskartellamts erhalten. Zum Abschluss der Transaktion kam es vor der Insolvenz der niederländischen Accell-Gesellschaften jedoch nicht.
Parallel zum konzernweiten Verkaufsprozess zeichnet sich bei einzelnen Accell-Marken eine eigenständige Neuordnung ab. So wurde die französische Marke Lapierre vom Handelsgericht Dijon in ein gerichtliches Reorganisationsverfahren aufgenommen. Lapierre will auf dieser Grundlage einen Fortführungsplan erarbeiten und sucht nach einem Investor, der die weitere Geschäftstätigkeit unterstützt. Damit verfolgt die Marke zunächst einen eigenen Weg innerhalb der Neuordnung des Accell-Portfolios.
Die neue Ausgabe der SAZbike beschäftigt sich ebenfalls mit dem Fall der Accell Group. Es wird analysiert, welche strukturellen Ursachen hinter der Entwicklung stehen und welche Optionen sich für die deutschen Gesellschaften ergeben.