Praxisleitfaden für den Aufbau kommunaler Radlogistik

Wie können Städte Liefer- und Serviceverkehre mit Lastenrädern dauerhaft etablieren? Ein neues Fachbuch von Jörg Albrecht bündelt Forschung, Praxisbeispiele und konkrete Instrumente für Politik, Verwaltung und Logistikunternehmen.
Mit dem Fachbuch „Radlogistik in Kommunen einführen und stärken – Strategien, Instrumente und Praxiswissen für Politik, Verwaltung und Logistik“ legt Jörg Albrecht einen Leitfaden für die systematische Entwicklung kommunaler Radlogistik vor. Das Buch richtet sich unter anderem an politische Entscheidungsträger, Verkehrsplaner, Wirtschaftsförderungen, Beschaffungsstellen, Logistikdienstleister, Hersteller und Verbände.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie geeignete Güter- und Serviceverkehre auf Fahrräder, Lastenräder, Anhänger oder Gespanne verlagert werden können. Albrecht betrachtet Radlogistik dabei nicht als isolierte Fahrzeuglösung, sondern als Leistungssystem. Für einen tragfähigen Betrieb müssten Auftrag, Güterprofil, Fahrzeuge, Behälter, Standorte, Personal, Routen, Daten, Wartung und Finanzierung aufeinander abgestimmt sein.
Als Leitmodell dient der „Kommunale Radlogistik-Kompass“. Er gliedert die Handlungsmöglichkeiten von Städten und Gemeinden in acht Bereiche: Auftrag und Zielbild, Wissen und Daten, Zuständigkeiten und Partnerschaften, Netze und Flächen, Regeln und Zugang, Nachfrage und Beschaffung, Betrieb und Wirtschaftlichkeit sowie Lernen und Skalierung. Kommunen könnten Radlogistik demnach unter anderem durch geeignete Flächen, angepasste Verkehrsnetze, verlässliche Zugangsregeln und eine veränderte öffentliche Beschaffung unterstützen.
Konkrete Werkzeuge für den Einstieg
Neben Forschungsergebnissen und europäischen Praxisbeispielen enthält das Buch Arbeitsmaterialien für die Umsetzung. Dazu zählen ein 100-Tage-Einstieg, Vorlagen für Pilotprojekte, Wirtschaftlichkeitsrechnungen, ein Reifegradcheck und ein Muster für kommunale Grundsatzbeschlüsse. Pilotprojekte sollen dabei nicht allein nach der Zahl eingesetzter Fahrzeuge bewertet werden. Entscheidend seien vielmehr definierte Ausgangswerte, Testfragen, Kostenmodelle und Kriterien für eine Fortführung oder Beendigung.
Albrecht grenzt zugleich die möglichen Einsatzfelder ein. In verdichteten Gebieten könnten Lastenräder Parksuch- und Laufzeiten reduzieren sowie Flächen effizienter nutzen. Bei langen Strecken sowie schweren oder großvolumigen Gütern seien andere Fahrzeuge häufig besser geeignet. Ausgangspunkt müsse daher stets eine konkrete Transport- oder Versorgungsaufgabe sein.
Der Autor ist Geschäftsführer der Aachener Neomesh GmbH und war am Aufbau des Radlogistikverbands Deutschland beteiligt. Zudem führte er zehn Jahre lang ein eigenes Radlogistikunternehmen und berät heute Kommunen und Organisationen bei der Entwicklung nachhaltiger Logistiksysteme. Das Buch ist als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.