Mehr Sicherheit für Rad und Kupplung: Neue Norm für Fahrradanhänger in Arbeit

Die europäische Fahrradanhängernorm EN 15918 wird überarbeitet. Diskutiert werden unter anderem Anforderungen an Laufräder, Radbefestigungen, Kupplungen, Sichtbarkeit und Bremsverhalten.
Die europäische Fahrradanhängernorm EN 15918 steht vor einer Überarbeitung. Die zuständige Normungsarbeitsgruppe CEN/TC 333/WG 1 „Cycles for common use and bicycle trailers“ hat mit den Arbeiten begonnen. Ziel ist es, die bestehende Norm EN 15918:2011+A2:2017 zu überprüfen und mögliche Anpassungen an den aktuellen Stand der Technik zu diskutieren.
Eine neue Norm liegt damit noch nicht vor. Auch ein abschließend abgestimmter Normentwurf mit verbindlichen Änderungen ist nach Angaben aus des Arbeitsgruppen-Leiters Tim Salatzki bislang nicht veröffentlicht. Vielmehr befindet sich der Prozess in einem frühen Stadium: Die europäische Arbeitsgruppe kam kürzlich erst zu ihrer zweiten Sitzung zusammen. Welche Punkte am Ende tatsächlich in eine überarbeitete Fassung aufgenommen werden, ist daher noch offen.
Hintergrund: Maßgebliche Norm für Fahrradanhänger
Die EN 15918 gilt als zentrale europäische Sicherheitsnorm für Fahrradanhänger. Sie legt unter anderem Anforderungen an Konstruktion, Kupplungen, Rahmenfestigkeit, Kinderschutz, Rückhaltesysteme, Sichtbarkeitseinrichtungen und Prüfverfahren fest. Die aktuelle Überarbeitung wird innerhalb der Arbeitsgruppe CEN/TC 333/WG 1 vorbereitet.
Mit der Revision könnte die Norm stärker an aktuelle Fahrradnormen wie EN ISO 4210 und EN 1888 angeglichen werden. Zugleich geht es darum, technische Entwicklungen aufzugreifen, die in der bisherigen Fassung nur eingeschränkt berücksichtigt sind. Dazu zählen unter anderem die Nutzung von Anhängern hinter Pedelecs, moderne Radbefestigungen sowie veränderte Anforderungen an Sichtbarkeit und Beleuchtung.
Laufräder und Radhaltesicherheit im Blick
Ein möglicher Schwerpunkt der Beratungen betrifft Räder und Reifenbaugruppen. In der Diskussion steht, ob die Norm künftig stärker auf bestehende Anforderungen aus der Fahrradnorm EN ISO 4210 Bezug nehmen sollte. Dabei könnten unter anderem Prüfungen für Verbundwerkstoffräder, Überdruckprüfungen sowie Benutzerinformationen eine Rolle spielen.
Besonders relevant ist die Frage der Radhaltesicherheit. Moderne Fahrradanhänger verwenden zunehmend Steckachsen, Schnellspannsysteme und werkzeuglos demontierbare Laufräder. Fehlerhafte oder unzureichend gesicherte Verbindungen können dazu führen, dass sich ein Rad während der Fahrt löst. Ob und in welcher Form konkrete Anforderungen zur Radbefestigung in die überarbeitete Norm aufgenommen werden, muss im weiteren Verfahren geklärt werden.
Pedelecs und Sichtbarkeit als mögliche Themen
Auch elektrisch unterstützte Fahrräder könnten in der künftigen Norm stärker berücksichtigt werden. In der Praxis werden Fahrradanhänger heute häufig nicht mehr nur hinter klassischen Fahrrädern, sondern auch hinter EPACs beziehungsweise Pedelecs genutzt. Für Hersteller und Nutzer ist dabei relevant, dass der Einsatz von Anhängern hinter elektrisch unterstützten Fahrrädern nationalen gesetzlichen Einschränkungen unterliegen kann.
Ein weiterer Diskussionspunkt sind Sichtbarkeit und Beleuchtung. Bereits heute spielen Reflektoren, Warnflaggen und die Anbringung von Beleuchtungseinrichtungen eine wichtige Rolle für die Verkehrssicherheit von Fahrradanhängern. Im Zuge der Überarbeitung könnte geprüft werden, ob die bestehenden Anforderungen präzisiert oder ergänzt werden müssen. Dazu zählen unter anderem Front-, Heck- und Seitenreflektoren sowie Hinweise zur ordnungsgemäßen Montage von Beleuchtungseinrichtungen.
Bremsverhalten und Kupplungen bleiben sicherheitsrelevant
Auch Hinweise zum Bremsverhalten könnten im Zuge der Normungsarbeit eine größere Rolle spielen. Ein Anhänger verändert das Fahrverhalten des Fahrrads und kann den Bremsweg verlängern. Daher ist denkbar, dass Warnhinweise in Bedienungsanleitungen oder an Produkten künftig überprüft und gegebenenfalls genauer gefasst werden.
Die bestehenden technischen Prüfungen bleiben ebenfalls ein wichtiger Bezugspunkt. Dazu zählen Dauerhaltbarkeitsprüfungen für Rahmen und Fahrwerk ebenso wie Prüfungen von Deichsel und Kupplung. Die Verbindung zwischen Fahrrad und Anhänger ist sicherheitsrelevant, weil sie im Fahrbetrieb wechselnden Belastungen standhalten muss. Ob bestehende Prüfparameter beibehalten, angepasst oder ergänzt werden, ist Teil der weiteren Beratungen.
„Die Branche ist eingeladen, sich jetzt an der Überarbeitung der Norm zu beteiligen. Wer seine Erfahrungen und Anforderungen in die technischen Diskussionen einbringt, kann Einfluss auf den Inhalt der künftigen Norm nehmen.“
Lastenanhänger als offene Frage
Eine zentrale Frage ist, wie weit der Geltungsbereich einer überarbeiteten Norm künftig reichen soll. Die bisherige EN 15918 ist stark auf zweispurige Fahrradanhänger und klassische Kinderanhänger ausgerichtet. Sie erfasst unter anderem Kinderanhänger mit maximal zwei Kindern und Anhänger mit einer maximalen Gesamtmasse von 60 Kilogramm.
Nicht oder nur eingeschränkt abgedeckt sind dagegen Einspuranhänger, zahlreiche Bikepacking-Anhänger, professionelle Lastenanhänger und viele moderne Logistikanhänger für den gewerblichen Einsatz. Gerade im Bereich der urbanen Lastenradlogistik hat sich der Markt in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Anhänger werden dort häufig mit höheren Nutzlasten, anderen Einsatzprofilen und in Kombination mit gewerblich genutzten Lastenrädern eingesetzt.
Ob diese Entwicklungen in der überarbeiteten EN 15918 stärker berücksichtigt werden können, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Die beginnende Revision bietet die Möglichkeit, bestehende Sicherheitsanforderungen zu überprüfen und den Normungsbedarf im wachsenden Markt für Fahrradanhänger neu zu bewerten.

Foto: ZIV/Dirk Michael Deckbar
Einladung zur Mitarbeit
Da die Arbeiten noch am Anfang stehen, besteht für interessierte Marktteilnehmer die Möglichkeit, sich in die fachliche Diskussion einzubringen. Hersteller, Prüfinstitute, Verbände und weitere Akteure aus der Fahrrad- und Anhängerbranche können ihre technische Expertise über die zuständigen Normungsgremien und Branchenvertretungen in den Prozess einfließen lassen.
Damit ist die Überarbeitung der EN 15918 nicht nur ein formales Normungsverfahren, sondern auch eine Gelegenheit, praktische Erfahrungen aus Entwicklung, Prüfung, Handel und gewerblicher Nutzung einzubringen. Gerade bei Themen wie Radhaltesicherheit, Kupplungen, Pedelec-Nutzung oder Lastenanhängern kann die Branche Einfluss darauf nehmen, welche Anforderungen künftig diskutiert und möglicherweise in die Norm aufgenommen werden.
Bis zum Abschluss des europäischen Normungsverfahrens bleibt die aktuelle Fassung EN 15918:2011+A2:2017 maßgeblich. Es bleibt daher zunächst abzuwarten, welche Vorschläge die Arbeitsgruppe im weiteren Verlauf konkret ausarbeitet und welche Anforderungen am Ende tatsächlich Eingang in eine neue Norm finden.