Reform des Arbeitszeitgesetzes: Kritik an längeren Arbeitstagen unbegründet?

Union und SPD wollen die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze ersetzen. Studien des IW haben untersucht, ob längere Arbeitstage die Gesundheit der Beschäftigten nachweisbar belasten.
Eine geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Diskussionen: Union und SPD wollen die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze ersetzen, um Beschäftigten mehr Flexibilität zu ermöglichen. Kritiker warnen vor gesundheitlichen Risiken durch längere Arbeitstage, eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis der Arbeitszeiterhebungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis.
Die Untersuchung zeigt, dass besonders Bürobeschäftigte, die an einzelnen Tagen länger arbeiten, weder häufiger krank werden noch mehr Fehltage aufweisen. Auch die subjektive Erholung leidet nicht, und die Zufriedenheit mit der Arbeit bleibt auf vergleichbarem Niveau. Laut IW liegt der Grund darin, dass flexible Arbeitszeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern und den individuellen Arbeitsrhythmus berücksichtigen.
Eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung könnte diesen Effekt jedoch abschwächen. Sie würde die Vertrauensarbeitszeit unterlaufen, ein Modell, das den Beschäftigten erlaubt, ihre Arbeitszeit frei einzuteilen. Eine weitere IW-Studie bestätigt: Beschäftigte mit freier Zeiteinteilung berichten seltener über chronische Erschöpfung und sind zufriedener mit der Balance von Beruf und Privatleben. Eine minutengenaue Dokumentation könnte diesen Spielraum wieder einschränken.
Die Autoren der Studie plädieren dafür, den Betrieben und Beschäftigten zu vertrauen, selbst die richtige Balance zu finden. Flexible wöchentliche Arbeitszeiten könnten dazu beitragen, Druck im Arbeitsalltag zu reduzieren, während eine starre Erfassung diese Möglichkeiten wieder begrenzen würde.