B2B-Lastenrad-Zentrum München eröffnet Showroom: Radlogistik erlebbar machen

Das neue B2B-Lastenrad-Zentrum München bietet Logistik-Unternehmen erstmals gebündelte Einblicke in gewerbliche Lastenradlösungen. Ziel ist, Praxiswissen zu vermitteln und den urbanen Wirtschaftsverkehr emissionsfrei zu gestalten.
Am 10. Juni 2026 wurde im Münchner Pineapple Park nahe der alten Paketposthalle das B2B Lastenrad-Zentrum offiziell eröffnet. Betreiber Konrad Martin erläuterte, dass der Showroom Unternehmen die Bandbreite professioneller Radlogistiklösungen praxisnah näherbringen soll – von kompakten Transportanhängern über klassische Cargobikes bis zu Schwerlastenrädern für anspruchsvolle Logistikaufgaben. Martin betont: „Viele Unternehmen wissen inzwischen, dass Lastenräder Teil der Mobilitätswende sind. Häufig fehlt jedoch die Möglichkeit, unterschiedliche Konzepte direkt miteinander zu vergleichen und die passende Lösung für den eigenen Bedarf zu finden“.
Ziel: 100 Lastenräder bis 2027
Das Zentrum, das als größter anbieteroffener Radlogistik-Hub Deutschlands gilt, entstand gemeinsam mit dem Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München im Rahmen des EU-Innovationsprojekts Metaccaze. Es kombiniert einen Showroom mit großen Lagerflächen, in denen Kurier-, Express- und Paket-Dienstleister (KEP) Umschlag von Lkw auf Lastenräder organisieren können, sowie Aufenthaltsräume für Fahrer. Ziel ist es, bis Ende 2027 rund 100 Lastenräder vom Hub aus in die Innenstadt fahren zu lassen. Aktuell operieren bereits zwischen 15 und 30 gewerbliche Räder.
Die Stadt München unterstützt das Projekt mit dem klaren Ziel, den Wirtschaftsverkehr effizienter und emissionsärmer zu gestalten. Jeanette de Pauli, Projektmanagerin für urbane Logistik beim Münchner Mobilitätsreferat, erklärt: „Der Wirtschaftsverkehr ist ein ganz großer Treiber von Emissionen. Er ist auch verantwortlich für viel Gedränge und Verkehr in der Stadt, braucht sehr viel Platz und benötigt intelligente Lösungen, um effizienter zu werden“. Sie hebt zudem die Flächenproblematik hervor: Geeignete, bezahlbare Mikrodepots für den Umschlag auf Lastenräder seien schwer zu finden, wodurch die städtische Logistik oft eingeschränkt werde.
Lastenradlogistik: Geringe Kosten und Entlastung der Städte
Für die gewerbliche Radlogistik stellen Lastenräder wirtschaftliche Vorteile dar: geringere Betriebs- und Unterhaltskosten, keine Führerscheinpflicht und flexible Einsatzmöglichkeiten. Gleichzeitig ermöglichen sie eine Entlastung der Innenstädte und leisten einen Beitrag zur Reduktion von Emissionen und Verkehrsbelastungen. Um den Umstieg für Unternehmen zu erleichtern, werden Einsatzprofile analysiert und passende Fahrzeugkonzepte identifiziert – unabhängig vom Hersteller und ohne Kaufdruck.
Laurin Neusch, Leiter der Geschäftsstelle des Radlogistikverband Deutschland e.V., unterstrich die Bedeutung ökonomischer Entscheidungsgrundlagen für kleine und mittelständische KEP-Dienstleister: „Am Ende soll ein TCO-Rechner stehen, also ein Total Cost of Ownership Rechner, der eine klare wirtschaftliche Bewertung von Lastenrädern ermöglicht“.
Spannbreite vom klassischen E-Bike bis zum autoähnlichen Liefer-Laster
Im Showroom des B2B Lastenrad-Zentrums präsentierten die Hersteller unterschiedliche Ansätze für den gewerblichen Einsatz. VSC Bikes zeigte seine Schwerlast-Lastenräder, die modular aufgebaut sind und sich flexibel an die Anforderungen von Handwerksbetrieben, Logistikdienstleistern oder Serviceunternehmen anpassen lassen. Besonders im urbanen Einsatz überzeugen sie durch hohe Zuladungskapazität und kompakte Bauweise, sodass sie auch in engen Innenstädten effizient eingesetzt werden können.
Mubea stellte eher autoähnliche E-Cargo-Fahrzeuge vor, die auf hohe Nutzlasten, geschützte Fahrerplätze und wetterunabhängige Zustellungen ausgelegt sind.
Cargostar, ein deutsches Start-Up, zeigte kompakte Schwerlaster, die in der Praxis durch hohe Fahrstabilität, Wendigkeit und robuste Verarbeitung überzeugen – besonders in engen Innenstädten.
Fleximodal präsentierte einen Anhänger, der an Standard-Pedelecs gekoppelt eine komplette Euro-Palette transportieren kann, was für KEP-Dienstleister eine regulatorisch abgesicherte Lösung bietet.
Zudem war der K-Ryole-Anhänger von Pellenc zu sehen: elektrisch unterstützt, mit Sensorik zur Messung der Zugkraft, die das Gewicht für den Fahrer vollständig ausgleicht; er kann sowohl als Fahrradanhänger als auch als Handwagen eingesetzt werden.
EPAC-Gesetze sorgen für Unsicherheit
Ein zentrales Thema für die Branche bleibt die EPAC-Regulierung. Schwere, kommerzielle Lastenräder sind aktuell rechtlich als Fahrräder eingeordnet, doch eine neue Regulierung droht und sorgt für Unsicherheit bei Flottenbetreibern. Konrad Martin, Geschäftsführer des Lastenrad-Zentrums München, erläutert: „Man erfährt in Gesprächen mit großen Flottenbetreibern, dass eine zeitnahe Klarheit im Umgang und in der Kategorisierung von Commercial Cargo Bikes notwendig ist, um entsprechend auf Recruiting und Tourenplanung reagieren zu können.“
"Ohne geeignete Flächen wird eine nachhaltige letzte Meile nicht funktionieren"
Martin weist zudem auf politische Rahmenbedingungen hin: Radlogistik müsse als fester Bestandteil kommunaler Mobilitätsplanung berücksichtigt werden. Breite, belastbare Radwege und urbane Umschlagpunkte seien Grundvoraussetzungen für die Skalierung. „Mikrodepots, urbane Umschlagpunkte und Logistik-Hubs müssen genauso selbstverständlich in der Stadtentwicklung berücksichtigt werden wie Parkhäuser oder Gewerbegebiete. Ohne geeignete Flächen wird eine nachhaltige letzte Meile nicht funktionieren“.
Das B2B Lastenrad-Zentrum München wird künftig auch Fachveranstaltungen, Netzwerktreffen und Dialogformate anbieten, die Akteure aus Wirtschaft, Politik und Verbänden zusammenbringen. Der Showroom soll dabei helfen, die Praxis und Vorteile der gewerblichen Radlogistik erlebbar zu machen und Unternehmen auf dem Weg zu emissionsarmen Lieferlösungen zu unterstützen.