Ampler bestätigt Insolvenzverfahren – Marken-Insider sieht Chance für Neustart

Foto: Ampler
Ampler Bikes hat in einer Kundenmail den Eintritt in ein Insolvenzverfahren bestätigt. Als Auslöser nennt das Unternehmen einen eskalierten Streit um die Miete des Berliner Showrooms. Ex-Marketingchef Rhys Howell verweist auf LinkedIn ebenfalls auf den 10-Jahres-Vertrag.
Der estnische E-Bike-Hersteller Ampler Bikes hat den Eintritt in ein Insolvenzverfahren bestätigt. In einer automatisierten Antwortmail an Kundinnen und Kunden teilt das Unternehmen mit, dass eingehende Mails möglicherweise nicht individuell beantwortet werden. Die Anmeldung sei nach eigenen Angaben „rechtlich verpflichtend“ geworden, nachdem eine Fortführung des Geschäftsbetriebs trotz „umfangreicher Bemühungen“ nicht mehr möglich gewesen sei.
Ampler verweist in der Mail auf Belastungen der vergangenen Jahre, die auch in der Fahrradbranche insgesamt spürbar gewesen seien: schwierige Marktbedingungen, wirtschaftlicher Druck sowie „langfristige Auswirkungen von Qualitätsproblemen“, die einige frühere Modelle betroffen hätten. Zugleich betont das Unternehmen, zuletzt Fortschritte erzielt zu haben – unter anderem mit dem „erfolgreichen Launch“ der Nova-Plattform und weiteren Schritten zur Stabilisierung.
"Langwieriger komerzieller Streit"
Unmittelbar zugespitzt habe sich die Lage laut Ampler „im vergangenen Monat“ durch einen „langwierigen kommerziellen Streit“ im Zusammenhang mit der Mietfläche des Berliner Showrooms. Der Konflikt habe sich eskaliert und das Unternehmen „zu einem kritischen Zeitpunkt“ unter erhebliche finanzielle Restriktionen gesetzt. Der Insolvenzantrag sei dadurch unausweichlich geworden.
Eine ähnliche Einordnung liefert Rhys Howell, der nach eigenen Angaben 2022 als Chief Marketing Officer bei Ampler einstieg. In einem Linkedin-Post schreibt Howell, er sei „sehr traurig“ über den Insolvenzantrag, glaube aber nicht, „dass das das letzte ist, was wir von der Firma sehen“.
Es gebe weiterhin „ein großartiges Produkt“, das nach Jahren kleinerer Probleme zuletzt verbessert worden sei. Howell beschreibt Ampler als kleineren Anbieter im Pendler-E-Bike-Segment mit loyaler Fanbase der ersten Generation, der jedoch im Wettbewerb mit stark finanzierten Playern unter Druck geraten sei. Vanmoof und Cowboy hätten „nahezu 300 Millionen Dollar“ eingesammelt, Ampler lediglich „etwa zwei Prozent davon“.
"Dein Ampler funktioniert noch"
Mit dem Anspruch auf Wachstum seien Entscheidungen verbunden gewesen, die im Rückblick zur Last wurden – Howell nennt unter anderem Investitionen, Retail-Pläne, starkes Teamwachstum und Zehnjahres-Mietvertrag in Berlin. Dieser Vertrag habe das Unternehmen „letzte Woche“ zu Fall gebracht.
Für Kundinnen und Kunden skizziert Ampler die praktischen Folgen vor allem im Service. Das Unternehmen betont: „dein Ampler funktioniert noch“ – die Räder könnten weiterhin normal genutzt werden. Empfohlen werden regelmäßige Wartung, das Sauber- und Trocknenhalten des Bikes sowie die Kontrolle von Verschleißteilen wie Reifen, Bremsbelägen, Kette und Antrieb. Handbücher und Self-Service-Materialien wie Videos und Guides sollen online verfügbar bleiben.
Räder, die bereits in den Ampler-Showrooms in Arbeit sind, sollen fertiggestellt und an die Kundschaft zurückgegeben werden.
"Peace of Mind" nicht verfügbar
Der reguläre Kundensupport stehe nicht zur Verfügung. Zudem seien bestehende Vereinbarungen mit Servicepartnern vom Insolvenzverfahren betroffen. Die Kundschaft sollen direkt bei den jeweiligen Werkstätten anfragen, ob Unterstützung weiterhin möglich ist.
Ersatzteile könne Ampler aktuell nicht direkt bereitstellen. Man arbeite mit dem Insolvenzverwalter an Lösungen, um Wartung und Support künftig über Drittpartner zu ermöglichen. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass viele Bauteile Standard-Fahrradkomponenten seien, die auch über lokale Fahrradfachgeschäfte beschafft werden könnten. Programme wie Garantien, Versicherungen und „4 Years Peace of Mind“ seien durch das Verfahren betroffen und „derzeit nicht mehr verfügbar“.