Sport Schuster investiert ins Rad: "Wir wollen die erste Adresse für die aktiven Münchner sein"

Sport-Schuster-Geschäftsführer Konstantin Rentrop auf der Dachterrasse des Sporthaus Schuster am Marienplatz.
Foto: Moritz Diethelm

Das Münchner Traditionshaus Sport Schuster am Marienplatz hat seine Bike-Abteilung massiv aufgewertet. Doch wer riesige Fahrrad-Ausstellungen und Mechaniker-Werkstätten sucht, wird enttäuscht. Warum sich der Schuster bewusst auf Bekleidung und technisches Equipment konzentriert, wie er sich gegen Mono-Brand-Stores behauptet und warum Radsport heute viel mehr ist als nur reine Wattwerte, erklärt Geschäftsführer Konstantin Rentrop im SAZbike-Interview.

SAZbike: Herr Rentrop, der Schuster und das Fahrrad – das ist keine neue Liebe, aber ihr schaltet gerade merklich einen Gang höher. Was ist der Hauptgrund für diese Offensive im Bike-Segment?

Konstantin Rentrop: Bike war bei uns eigentlich nie weg, es war immer ein wichtiges Kernsegment. Unsere Philosophie ist es ja, den Münchner Kunden bei seinem sportlichen Alltag zu begleiten. Wer unter der Woche läuft, Yoga macht oder ins Fitnessstudio geht, der sitzt in München eben oft auch auf dem Rad – sei es beim Radpendeln zur Arbeit oder am Wochenende in den Bergen.

Wir haben aber gespürt, dass sich gerade im Rennradbereich etwas massiv verändert hat. Es ist eine spannende neue Schnittmenge aus technischem Sport, Ästhetik und Lifestyle entstanden. Die Zielgruppe ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und die Motive, warum jemand Rad fährt, haben sich vervielfältigt. Darauf wollen wir mit einer konsequenten Fortführung unseres Sortiments reagieren.

"Am Marienplatz sind wir limitiert – wir können nicht alles machen."

Konstantin Rentrop

SAZbike: Wenn man sich auf euren 5.000 Quadratmetern umschaut, fällt auf: Ihr verkauft keine Fahrräder an sich. Warum verzichtet ein Haus dieser Größe fast komplett auf die Hardware?

Konstantin Rentrop: Das ist eine ganz bewusste strategische Entscheidung, die mit unserer Fläche und unserem Qualitätsanspruch zu tun hat. Wir sind am Marienplatz zwar groß, aber durch unsere sieben Etagen auch limitiert.

Wir müssen uns fragen: Wo liegt unsere Kernkompetenz? Das Thema Fahrräder ist extrem komplex. Es erfordert enorme Flächen für eine attraktive Präsentation, bindet massiv Kapital und bringt logistische Herausforderungen mit sich – von der Anlieferung in der Innenstadt bis hin zur Lagerung.

SAZbike: Und dann ist da noch das Thema Service…

Konstantin Rentrop: Genau. Ein professioneller Werkstatt-Betrieb und der After-Sales-Service sind im Fahrrad-Fachhandel essenziell. Aber das lässt sich auf unserer Fläche am Marienplatz kaum so abbilden, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist und gleichzeitig unserem Standard gerecht wird.

Wir konzentrieren uns daher lieber auf das, was wir perfekt beherrschen: Die Kuration der besten Marken bei Bekleidung, Schuhen und technischem Zubehör wie Helmen oder Brillen. Wir wollen die Anlaufstelle sein, wo man verschiedene Top-Marken direkt miteinander vergleichen kann.

Bei uns kann der Kunde in viele verschiedene Trikots springen, die Passform testen und die Haptik spüren. Das bietet ein reiner Markenstore oder ein kleiner Spezialist oft nicht in dieser Breite.

"Das Produkt darf nicht die „Eintrittskarte“ sein, um dazuzugehören."

Konstantin Rentrop

SAZbike: Ihr sprecht viel über Ästhetik und die neue Lust am Radsport. Besteht da nicht die Gefahr, dass der „echte“ Performance-Sportler oder euer klassischer Schuster-Stammkunde sich nicht mehr abgeholt fühlt?

Konstantin Rentrop: Wir wollen uns für den „Schuster-Kunden“, der uns seit Jahrzehnten kennt, auf keinen Fall verstellen. Wir bleiben ein Sporthaus. Aber der Sport an sich ist heute viel inklusiver geworden. Früher ging es oft nur darum, wer das leichteste Rad und die krassesten Wattwerte hat. Heute kommen viele Menschen über das Gemeinschaftsgefühl, über Inspiration oder schlicht über die schöne Optik der Produkte zum Radsport.

Wir wollen beides bedienen: Die höchste Funktionalität für den Profi, aber auch die ansprechende Ästhetik für den Genussfahrer. Ein ganz wichtiger Punkt für mich: Das Produkt darf nicht die „Eintrittskarte“ sein, um dazuzugehören. Bei uns soll sich jeder willkommen fühlen, der sich gerne bewegt – egal auf welchem Level.

Konstantin Rentrop im Panel-Talk bei der Eröffnung der neuen Radabteilung im Sporthaus Schuster.
Foto: Sport Schuster

SAZbike: In der Münchner Innenstadt gibt es eine enorme Dichte an Mono-Brand-Stores. Wie behauptet ihr euch gegen diesen direkten Markendruck und auch gegen die reinen Online-Player?

Konstantin Rentrop: Wir sehen den „Marktplatz München“ als Gemeinschaftsprojekt. Ein starkes Umfeld mit attraktiven Läden zieht Menschen an – auch von weit außerhalb. Unser Vorteil als Multi-Brand-Retailer ist die Vergleichbarkeit und das Gesamtsortiment.
Wer sich bei uns für die Transalp ausrüstet, findet eben auch die passende Sporternährung, die Pulsuhr und den richtigen Rucksack.

Was den Online-Druck angeht: Wir denken absolut Omnichannel. Der Kunde soll online das gleiche Erlebnis und die gleichen Preise haben wie bei uns im Laden. Wir setzen zudem massiv auf lokales Digitalmarketing, um einen „Push-to-Store-Effekt“ zu erzielen. Wir wollen die Leute in der Region gezielt ansprechen und sie in das Haus am Marienplatz holen.

SAZbike: Woran werdet ihr am Ende der Saison messen, ob diese Strategie aufgegangen ist?

Konstantin Rentrop: Natürlich schauen wir auf die harten Fakten: Quadratmeter-Produktivität, Frequenzzahlen und Conversion-Rates, sowohl im Netz als auch stationär.
Aber ein ebenso wichtiger Indikator ist das qualitative Feedback von der Fläche. Wir spüren in den Beratungsgesprächen sofort, ob neue Zielgruppen reinkommen oder ob uns die Stammkunden die Treue halten. Wenn wir im „Relevant Set“ der Münchner Radcommunity fest verankert sind, haben wir unser Ziel erreicht.

SAZbike: Zum Abschluss: Was ist Ihre persönliche Botschaft an die Branche?

Konstantin Rentrop: Die Motive für das Radfahren haben sich verändert. Es geht heute viel mehr um Community und Inspiration als nur um den reinen Leistungsgedanken. Uns als Schuster ist wichtig, dass die Freude an der Bewegung im Vordergrund steht. Wir wollen Menschen motivieren, aktiv zu sein – egal aus welchem Antrieb. Das sollte unser gemeinsames Ziel sein.

Das Interview führte Moritz Diethelm.

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