
Fünf Erkenntnisse nach dem SAZbike Prolog 2026
Lieber SAZbike Leser,
der SAZbike Prolog 2026 ist Geschichte. 220 Vertreterinnen und Vertreter aus Handel, Industrie und Dienstleistung kamen am 26. Februar nach Dreieich - und haben einen Tag lang diskutiert, zugehört und genetzwerkt. Was bleibt? Fünf Erkenntnisse, die über den Tag hinaus wirken.
Viele Grüße
Werner Müller-Schell
Redakteur SAZbike

Werner Müller-Schell
Redakteur, SAZbike


1. KI wird unterschätzt

"AI is underhyped." Mit dieser These eröffnete Jasmin Jonietz, AI Strategy Lead bei der Ebner Media Group, den inhaltlichen Teil des SAZbike Prolog - und meinte es ernst. Die Entwicklung gehe längst nicht mehr um Textgenerierung oder einzelne Automatisierungsschritte. Sie gehe vom reaktiven Chatbot hin zu agentischen Systemen, die Prozesse eigenständig begleiten, Informationen bewerten und Entscheidungen vorbereiten.
Simon Betsch, Managing Partner der Agentur KMS Team, machte das konkret: Eine Kundin formuliert nur noch ihren Bedarf - "Kaufe mir das beste Gravelbike für unter 4.000 Euro für meine Tour von München nach Venedig, das meinem Geschmack und meinem Fitnesslevel entspricht." Der Agent übernimmt den Rest. Trainingsdaten, Budget, Verfügbarkeiten, Bestellung. Automatisiert. Ohne Beratungsgespräch. Technisch ist das bereits angelegt.
Jonietz' Botschaft für den Fahrradhandel: "Retail ist eine der langsamsten Branchen bei der KI-Adaption. Wer jetzt anfängt, ist kein Nachzügler - sondern First Mover." Jobrad-Pressesprecher Marc Mielau hob auf LinkedIn zwei Sätze aus dem Vortrag hervor: "AI is underhyped" - und: "KI ist kein Werkzeug - KI ist Personal." Letzterer trifft den Kern: Es geht nicht darum, ein Tool zu bedienen. Es geht darum, Prozesse grundlegend neu zu strukturieren.
Die Frage ist nicht mehr ob KI relevant wird - sondern wie schnell. Wer auf Abwarten setzt, verliert Wettbewerbsposition.

2. Die Fahrradbranche braucht persönliche Treffen - und muss mehr zusammenarbeiten

220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, eine dichte Agenda, Gespräche bis spät in den Abend. Der SAZbike Prolog 2026 hat einmal mehr gezeigt, was digitale Kommunikation nicht ersetzen kann.
ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork formulierte die Konsequenz klar: "Wenn wir als Branche noch intensiver miteinander sprechen würden, wären manche Probleme vielleicht gar nicht erst entstanden." Maximilian Schay, Geschäftsführer Küstenrad, ergänzte auf LinkedIn: "In so kurzer Zeit so viele relevante und produktive Gespräche zu führen - das gibt es in unserer Branche eigentlich an keinem anderen Ort."
Bernhard Lange, Geschäftsführender Gesellschafter von Paul Lange & Co., brachte es auf eine einfache Formel: "Viele Kooperationen und Allianzen entstehen nicht digital, sondern beim Kaffee. Wer nicht kommt, verpasst konkrete Chancen." Alex Thusbass von Hepha ergänzte: "Aus der Krise kommen wir nur gemeinsam."

3. Die Zukunft der Leitmesse bleibt ein Brennpunkt

Die Diskussion zur Zukunft der Leitmesse wurde mit Spannung erwartet. Georg Wagner (Bico), Alex Thusbass (Hepha), Matthias Tesi Baur (MBB-Consulting), Wasilis von Rauch (Zukunft Fahrrad) und Philipp Ferger (Fairnamic) diskutierten, welche Rolle eine zentrale Branchenplattform künftig einnehmen müsse. Angesichts der Komplexität des Themas war die Zeit auf der Bühne naturgemäß knapp - dennoch kristallisierten sich einige Erkenntnisse heraus.
Einigkeit bestand darin, dass Relevanz nicht über Quadratmeter definiert wird, sondern über Inhalte, klare B2B-Ausrichtung und echte Gesprächsanlässe. Georg Wagner formulierte es klar: "Natürlich braucht Europa eine starke Leitmesse, idealerweise in Deutschland." Der Wunsch nach einer professionell geschärften, strategisch klar positionierten Branchenplattform wurde von allen Seiten formuliert - auch wenn über den konkreten Weg keine Einigkeit bestand.
Thorben Kriener von Sports Nut stellte auf LinkedIn die entscheidende Frage: "Wie schafft es die Eurobike, die vielen unterschiedlichen Stimmen der Branche einzufangen und daraus ein tragfähiges Konzept zu formen?" Eine abschließende Antwort gibt es noch nicht. Aber dass die Frage so offen und dringlich gestellt wird, ist bereits ein Signal.


4. Zuverlässige Partnerschaften zwischen Handel und Industrie werden wertvoller

Den Auftakt des Abends bildete die Verleihung der SAZbike Awards "Die besten Handelspartner 2025". Über 550 Händlerinnen und Händler hatten an der Umfrage teilgenommen. Die fünf Sieger: Hepha bei Fahrrädern und E-Bikes, SKS Germany bei Zubehör und Teilen, Linexo by Wertgarantie im Leasing, Johann Schmid im Großhandel, Bosch Ebike Systems bei den E-Bike-Antrieben.
Die Reaktionen machten deutlich, was diese Auszeichnungen in der aktuellen Marktlage bedeuten. Bernd Lesch von Hepha: "Wir haben von Anfang an alles, was wir tun und denken, durch die Brille des Fachhandels betrachtet. Das ist ein wichtiger Impuls in den heftigen Zeiten, die wir gerade erleben." Sören Hirsch, Bereichsleiter Bike bei Linexo by Wertgarantie, der die Auszeichnung zum zweiten Mal in Folge entgegennahm: "Diese Wahl ist für uns weit mehr als ein Award. Sie ist ein klares Votum für ein Produkt, das im Handel wirklich funktioniert." Und Torsten Mendel von Abus, der mit Platz 2 nach Dreieich fuhr: "Herzlichen Glückwunsch an unseren NRW-Nachbarn SKS Germany für den ersten Platz - und danke an alle Fachhändler, die für uns gevoted haben."
In einer Phase, in der Konsumzurückhaltung und Strukturwandel den Markt prägen, wird Verlässlichkeit in der Partnerschaft zum strategischen Faktor. Das war die übergreifende Botschaft hinter all diesen Rückmeldungen.

5. Die Gesamtsituation ist weiterhin schwierig - doch die Aussichten sind positiver

Dr. Ralf Deckers vom IFH Köln lieferte den gesamtwirtschaftlichen Kontext - und der war nüchtern. Er beschrieb eine "Konsumbremse", die nicht allein preisgetrieben sei, sondern aus einer Mischung aus wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischer Lage und veränderten Prioritäten resultiere. Für den stationären Handel: Beratung, Service und Erlebnis müssen konsequent zusammengedacht werden. "Habt Mut und wechselt das Format am Point of Sale. Schafft Orte, an denen sich Menschen wirklich wohlfühlen", gab Benedikt Starke den Appell von Deckers auf LinkedIn weiter.
Gleichzeitig zeigte das Panel zum Thema Gebrauchtbikes, wo Wachstumspotenziale liegen. Gebrauchtbikes erschließen neue Zielgruppen - preissensiblere Kundinnen und Kunden, die sonst keinen Zugang zum E-Bike hätten - und entwickeln sich zu einem strukturellen Bestandteil des Geschäftsmodells. Sören Hirsch verwies auf das Margenpotenzial: "Der Fachhandel erkennt hier zunehmend Chancen - gerade auch in puncto Marge."
Und auch das Thema Unternehmensnachfolge gehört in diesen Zusammenhang: 186.000 Betriebe stehen bis 2030 bundesweit vor einer Nachfolgelösung. Susanne Klier machte in ihrem Impuls klar, dass Nachfolge kein punktuelles Ereignis, sondern ein langfristiger Prozess ist. Den emotionalen Höhepunkt lieferte Bernhard Lange, der auf der Bühne offen über den eigenen dreijährigen Übergabeprozess bei Paul Lange & Co. berichtete - ruhig, strukturiert und mit einem klaren Rat: "Früh anfangen. Und alle an einen Tisch holen." Die Stimmung nach dem Prolog lässt sich so zusammenfassen: Die Herausforderungen sind real. Aber die Branche hat die Werkzeuge, sie anzugehen - und den Willen, es gemeinsam zu tun. Wie Frauke Morgenroth von Lucky Bike dazu sagte: "Gerade jetzt ist es wichtig, positive Impulse zu setzen und als starke Branche geschlossen aufzutreten."

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Vorschau & Diskussion
Der SAZbike Prolog war der Auftakt - die Inhalte beschäftigen uns in den kommenden Wochen weiter. In den nächsten Premium Newslettern beleuchten wir die Details der diesjährigen SAZbike Lieferantenrankings und was die Ergebnisse für Handel und Industrie bedeuten. Und wir greifen die Impulse der Keynotes wieder auf - von KI über Marktentwicklung bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen für den Alltag. Für den SAZbike Prolog 2027 gilt schon jetzt: Der Termin liegt im Februar 2027. Ort und genaues Datum geben wir schnellstmöglich bekannt - halte dir den Monat frei.
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