Freizeit-Messe Free: Das Fahrrad holt auf

Foto: Moritz Diethelm

Auf der Münchner Freizeitmesse Free steht Caravaning 2026 weiterhin im Rampenlicht. Gleichzeitig wächst die Sichtbarkeit des Fahrrads als eigenständige Reiseform. Zwischen Luxus-Campern und E-Bike-Parcours wird deutlich: Das Rad verlässt die Nische und erreicht ein breiteres Publikum.

Wohnmobile, Anhänger, Expeditionsmobile: In den großen Caravaning-Hallen der Freizeitmesse Free dominieren Reisemobile mit umfassender Ausstattung. Komfort, Individualisierung und hochpreisige Konzepte prägen das Bild. Gebrauchtfahrzeuge jenseits der 60.000-Euro-Marke sind eher der Einstieg als das Maximum. Camping präsentiert sich technisch ausgereift - und zunehmend exklusiv.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die klassische Vorstellung von Freiheit im mobilen Urlaub unter Druck steht. Überfüllte Stellplätze, Regulierungen in Tourismusregionen und Diskussionen über lokale Wertschöpfung verändern die Rahmenbedingungen.

Direkt daneben positioniert sich das Fahrrad als alternative Reiseform. Der Fahrradbereich ist deutlich kleiner, tritt aber geschlossen auf - mit Teststrecken, Bühne und Beratungsangeboten.

Foto: Moritz Diethelm

Das Fahrrad als eigene Reisewelt

Messen wie die Free holen das Thema Radreise aus der Spezialszene heraus und machen es einem Mainstream-Publikum zugänglich. In Halle B6 finden sich E-Cargobikes, Gravelbikes, Mountainbikes, City- und Trekkingräder. Zwei Teststrecken ermöglichen realitätsnahe Fahreindrücke.

Zubehöranbieter zeigen Gepäcksysteme, Anhänger, Schlösser und Navigationslösungen. Das Fahrrad erscheint hier nicht als Accessoire am Heckträger, sondern als eigenständiges Tourenfahrzeug.

Vielfalt der Reiseformen

Inhaltlich deckt das Programm unterschiedliche Spielarten ab. Bikepacking steht für minimalistische, sportlich orientierte Touren. Multimodale Konzepte verbinden Bahn und Rad - Interrail-Modelle und grenzüberschreitende Routen werden als flexible Reiseketten vorgestellt.

Familienreisen mit Kindern sowie Touren mit Hund sind ebenso Thema wie Langstreckenfahrten mit dem Lastenrad. Das Cargobike wird nicht nur als urbanes Transportmittel, sondern als Reiseplattform gedacht.

Internationale Destinationen erweitern das Spektrum klassischer Radfernwege. Regionen wie die Emilia-Romagna werben gezielt um Radtouristinnen und Radtouristen und positionieren sich unter dem Motto "Bikers welcome" oder eben "Benvenuti, ciclisti".

Alternative zum Premium-Camping

Der ADFC ist mit Beratung und Informationsangeboten präsent. Im Fokus stehen Radfernwege, Qualitätsrouten und das Zertifizierungssystem "Bett+Bike" für fahrradfreundliche Unterkünfte.

Radreisen sind hier nicht nur Ausrüstungsthema, sondern Teil eines touristischen Netzwerks aus Infrastruktur, Beherbergung und regionaler Entwicklung.

Foto: Moritz Diethelm

Radreisen für alle

ADFC-Landesgeschäftsführerin Petra Husemann-Roew erklärt: "Das E-Bike hat vieles verändert. Es erweitert den Aktionsradius und macht Touren im Voralpenland für mehr Menschen zugänglich."

Die Free 2026 zeigt ein differenziertes Bild des Reisens. Caravaning bleibt wirtschaftlich stark und prägend für die Messe. Gleichzeitig gewinnt das Fahrrad als eigenständige, vielseitige Reiseform an Sichtbarkeit.

In den Automobilhallen bleibt es häufig Zubehör am Heckträger. In den eigenen Flächen präsentiert es sich als vollwertiges Verkehrsmittel für Urlaub und Alltag - mit wachsender thematischer Breite und zunehmender Ansprache eines breiteren Publikums.

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