"Markt deutlich unter Druck": ZF setzt E-Bike-Vertrieb aus

ZF stellt seine Aktivitäten im E-Bike-Bereich ein. Das bestätigt ZF-Sprecher Mirko Gutemann. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit der aktuellen Marktlage in Europa. Wie es mit dem Centrix-Antrieb weitergeht, ist offen.
ZF hat den Vertrieb seines E-Bike-Antriebssystems gestoppt. "Wir haben unsere Vertriebsaktivitäten in diesem Bereich eingestellt", sagte ZF-Sprecher Mirko Gutemann im Gespräch mit SAZbike.
Als Grund nennt das Unternehmen die derzeit angespannte Situation im europäischen E-Bike-Markt. "Der europäische E-Bike-Markt steht aktuell deutlich unter Druck", so Gutemann. Vor diesem Hintergrund habe man sich zu diesem Schritt entschieden.
Die Maßnahme betrifft den Geschäftsbereich Micro Mobility.
Keine endgültige Entscheidung über Centrix
Eine abschließende Entscheidung zur Zukunft des ZF Bike Eco Systems mit dem Mittelmotor Centrix ist nach Unternehmensangaben noch nicht gefallen.
"Wir prüfen derzeit, wie wir damit weiter vorgehen", erklärte Gutemann. Dabei gehe es unter anderem darum, mögliche Optionen für die Technologie zu bewerten. Konkrete Aussagen zu einem Rückzug oder einer Fortführung machte das Unternehmen nicht.
Neue Projekte oder Modellankündigungen im E-Bike-Segment sind aktuell nicht geplant.
Service über die Hersteller
Für bereits ausgelieferte E-Bikes mit ZF-Antrieb verweist das Unternehmen auf die jeweiligen Fahrradhersteller.
"Das Thema Wartungsservice ist an die Hersteller übergegangen", sagte Gutemann. Händlerinnen und Händler sollen sich bei Service- oder Ersatzteilfragen direkt an die entsprechenden OEMs wenden.
ZF selbst führt derzeit keine aktiven Vertriebsaktivitäten im E-Bike-Bereich mehr durch.
Einordnung der Unternehmenslage
Gutemann stellte im Gespräch klar, dass die aktuelle Entscheidung im E-Bike-Segment getrennt von anderen Geschäftsbereichen zu betrachten sei. Diskussionen zur E-Mobilität im Automobilbereich seien nicht automatisch auf das Fahrradgeschäft übertragbar.
Die Einstellung der Vertriebsaktivitäten im Bereich Micro Mobility sei eine eigenständige Maßnahme vor dem Hintergrund der Marktentwicklung im Fahrradsegment. Wie es mit dem Centrix-System mittel- oder langfristig weitergeht, ließ das Unternehmen offen.
Raymon und ZF beenden Zusammenarbeit
Prominenter Nutzer des Centrix-Systems war der deutsche Fahrrad-Hersteller Raymon. Die Schweinfurter Marke hat die Zusammenarbeit mit ZF im Bereich des Centrix-Antriebs zum Jahresanfang beendet. Das teilte das Unternehmen auf SAZbike-Nachfrage mit.
Die Entscheidung sei "im Rahmen der laufenden Produkt- und Portfolioentwicklung" getroffen worden und erfolgte "in beiderseitigem Einvernehmen".
Software-Update und Ersatzteilversorgung zugesichert
Das auf der Eurobike 2025 angekündigte Software-Performance-Update für Modelle mit ZF Centrix soll "in Kürze" zur Verfügung stehen.
Zudem betont Raymon, im Ersatzteilbereich "bestens aufgestellt" zu sein. Händlerinnen und Händler würden weiterhin umfassend betreut. Service und After-Sales hätten höchste Priorität.