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Canyon-Gründer Roman Arnold weist Krisen-Gerüchte zurück und kündigt Kurs-Korrektur an

Foto: Moritz Diethelm

Roman Arnold, Gründer von Canyon Bicycles und seit September 2025 wieder als Executive Chairman operativ tätig, widerspricht Berichten über eine angebliche Krise des Direktversenders.

In einem Interview mit der Financial Times erklärte Arnold, dass Canyon trotz eines erwarteten Umsatzrückgangs von rund fünf Prozent im Jahr 2025 weiterhin auf einem stabilen Niveau wirtschaftet. Der Jahresumsatz werde voraussichtlich bei knapp 750 Millionen Euro liegen - und damit fast doppelt so hoch wie vor dem Pandemie-bedingten Fahrradboom.

Zugleich formulierte Arnold eine ambitionierte, aber nicht verbindliche Zielmarke: Bis 2028 könne Canyon einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro erreichen. Entscheidend sei jedoch nicht allein das Wachstum, sondern vor allem dessen Profitabilität. "Der Fokus muss auf profitablerem Wachstum liegen", so Arnold.

Arnold sagt Silos und Bürokratie den Kampf an

Nach seiner Rückkehr an die Unternehmensspitze will der 62-Jährige die Strukturen bei Canyon verschlanken und die Marke wieder stärker auf ihre ursprünglichen Stärken ausrichten. In den vergangenen Jahren habe sich die Unternehmenskultur verändert, es seien interne Silos entstanden und Prozesse bürokratischer geworden. Diese Entwicklungen will Arnold nun korrigieren.

Im Mittelpunkt der Neuausrichtung steht das Direktvertriebsmodell, das Canyon einen Preisvorteil gegenüber klassischen Marken mit Händlernetz verschafft. Um die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken, wurden bereits Preissenkungen vorgenommen - unter anderem bei einem aktuellen Top-End-Gravelbike. Zwar belasten niedrigere Listenpreise kurzfristig die Margen, langfristig sollen sie jedoch die Kundenbindung verbessern und Rabattaktionen reduzieren.

Parallel dazu trennt sich Canyon von Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Die hauseigene Streetwear-Marke wird eingestellt, außerdem wird das Urban-Cycling-Sortiment halbiert. Ganz verabschieden will sich Arnold vom Thema Citybike jedoch nicht: Er sieht weiterhin Potenzial für leichte, langlebige und alltagstaugliche Räder im Portfolio.

Canyon soll nach Asien expandieren

Neue Impulse erhofft sich Canyon auch von der internationalen Expansion. Erst kürzlich eröffnete das Unternehmen eine eigene Niederlassung in China und nimmt den asiatischen Markt stärker in den Fokus - nicht nur als Produktionsstandort, sondern zunehmend auch als Absatzmarkt. In Deutschland wiederum baut Canyon seine stationäre Präsenz aus, unter anderem mit eigenen Stores in München und Frankfurt sowie einer engeren Zusammenarbeit mit ausgewählten Fachhändlern.

Trotz der zuversichtlichen Aussagen kann Arnold die zuletzt schwächeren Geschäftszahlen nicht ausblenden. In den vergangenen Jahren belasteten unter anderem eine kostspielige Rückrufaktion für E-Bikes, stagnierende Umsätze sowie ein rückläufiges EBITDA das Ergebnis. Der Mehrheitsaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL) musste den Wert seiner Beteiligung bereits deutlich nach unten korrigieren.

Arnold betont dennoch, dass er sich nicht von kurzfristigen Quartalsergebnissen treiben lassen wolle. Seine Strategie sei auf mehrere Jahre ausgelegt und solle Canyon wieder zu nachhaltigem, profitablen Wachstum führen. "Mein Geld steckt im Unternehmen - und ich bin überzeugt, dass das Beste noch vor uns liegt", so der Canyon-Gründer.

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