Fit im Shop: Eine Frage der Haltung

SAZbike gibt Tipps, wie Fachhändler ihren Arbeitsalltag am PoS aktiver und gesünder gestalten können, um so körperlichen Beschwerden vorzubeugen.

 

Nach einem langen Arbeitstag im Shop mit zahllosen Kundengesprächen, ausgiebigen Telefonaten und der ständigen Arbeit am Bildschirm schmerzen Füße und Rücken und die Schultern sind verspannt. Auch für ein ausgewogenes Mittagessen war mal wieder keine Zeit – und der Start des längst schon überfälligen Sportprogramms bleibt auf unbestimmte Zeit verschoben.

 

Ein Einzelfall? Sicher nicht. Allein in Deutschland gehen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge rund 16,5 Millionen Menschen einer vorwiegend stehenden beruflichen Tätigkeit nach. Doch die Auswirkungen auf die Gesundheit durch tägliches, stundenlanges Stehen in Verbindung mit zu wenig Bewegung im Alltag sollte man keinesfalls unterschätzen. „Gerade bei überwiegend stehenden Tätigkeiten kommt es schnell zu einseitiger Belastung, die Folgen sind Verspannungen und Schmerzen", sagt auch Dr. med. Holger Hoffmann, Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am Isarklinikum München. Dabei reichen die gesundheitlichen Risiken von Muskel- und Gelenkproblemen wie Fuß- und Rückenschmerzen über Schwellungen bis hin zu Kreislaufproblemen.

 

Zumindest für ein wenig Abhilfe kann „dynamisches Stehen" sorgen. Dabei wird das Gewicht langsam von der Ferse auf den Ballen und wieder zurück verlagert. Gleichzeitig sollte deutlich spürbar sein, wie die Wadenmuskulatur arbeitet. Alternativ lassen sich Schmerzen in den Füßen auch mit Gymnastik meist schon deutlich lindern. „Fußschmerzen kommen in den meisten Fällen von einer schwach ausgeprägten
Fußmuskulatur", so Hoffmann. Sein Tipp: Jeden Tag rund zehn Minuten neben dem Fernsehen mit den Füßen zum Beispiel ein Handtuch auf- und abrollen oder mit den Zehen Murmeln in eine Schüssel sortieren.

 

Ergonomisches Arbeiten

 

Darüber hinaus gilt es darauf zu achten, zumindest einigermaßen ergonomisch am Computer zu arbeiten. Ideal ist ein gerades Blickfeld auf den Bildschirm, die Arme rechtwinklig zur Tastatur ausgerichtet. Zudem sollte die Oberkante des Bildschirms etwa auf Höhe der Augenbrauen eingestellt sein. Häufig sieht der Münchner Orthopäde jedoch folgendes Szenario: Ein Verkäufer dreht sich über die Schulter zum
Kunden hin und arbeitet gleichzeitig mit schrägem Blick weiter am Bildschirm. „Diese Angewohnheit sollte man sich unbedingt abgewöhnen, da sie nur unnötig den kompletten Haltungsapparat belastet", so der Oberarzt.

 

Weiterhin empfiehlt es sich, seinen Arbeitsplatz in regelmäßigen Abständen zu verändern – und zum Beispiel zwischen einer Sitz- und einer Stehwoche zu wechseln. Auch variable Sitz-/Steharbeitsplätze
können somit richtig eingesetzt eine gesunde Alternative sein.

 

Um die negativen Auswirkungen des Stehens auf den Körper zu mildern, ist ein Bewegungsausgleich in der Freizeit unerlässlich. Bei vielen Verkäufern kommt die Fitness im stressigen Shop-Alltag jedoch zu kurz. Dennoch sollte man in der knapp bemessenen Freizeit stets versuchen, irgendeine Art von Sport unterzubringen. Egal ob Joggen, Squash oder Fußball – erlaubt ist, was Spaß macht; wichtig dabei ist, dass das Programm regelmäßig praktiziert wird. Dies können sowohl Kraftsportarten als auch Sportarten wie Pilates sein, die insbesondere die Körperkontrolle und dadurch eine gesunde Haltung fördern. Aber auch Ausdauersport eignet sich, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und den Kopf freizukriegen.

 

Denn gerade bei einer Tätigkeit im direkten Kundenkontakt ist die tägliche Arbeit immer auch mit Stress verbunden. Dadurch verspannt sich zwangsläufig die Muskulatur – und sogar ein gut trainierter Rücken fängt nach einer gewissen Zeit an zu schmerzen. Somit ist es wichtig, einen sportlichen Ausgleich zu finden, der auch innerlich zur Ruhe kommen lässt: „Das gibt einem die beste Basis, um einen langen Arbeitstag gut durchzuhalten – und auch am Ende der Woche noch ohne Wehwehchen dazustehen", sagt Hoffmann. Dennoch sollte man sich nie zum Sport zwingen. Dies sorge nur für weiteren unnötigen
Stress, der wiederum zu noch mehr Anspannung führt.

 

Zugegeben: Sich nach Ladenschluss aufzuraffen und Sport zu treiben fällt schwer. Jedoch ist der Bewegungsausgleich in der Freizeit Grundvoraussetzung für eine langfristige Leistungsfähigkeit im Job. Daher sollten sich auch Sportmuffel aufraffen und in Bewegung kommen.